Nachruf auf Dr.-Ing. Theo Fett (1943–2026)
Am 13. Januar 2026 verstarb Dr.-Ing. Theo Fett im Alter von 82 Jahren. Mit ihm verliert die Keramik- und Werkstoffwissenschaft einen international hoch angesehenen Forscher, der das mechanische Verständnis keramischer Werkstoffe über Jahrzehnte entscheidend geprägt hat.
Theo Fett war viele Jahre am heutigen Institut für Angewandte Materialien – Werkstoff- und Grenzflächenmechanik des KIT tätig. Seine experimentellen und theoretischen Arbeiten in der Bruchmechanik, insbesondere zum mechanischen Verhalten keramischer Werkstoffe, waren richtungsweisend und fanden weltweit Anerkennung. Kennzeichnend für sein wissenschaftliches Wirken war die außergewöhnlich klare Analyse physikalischer Problemstellungen sowie die konsequente und elegante Verknüpfung von Theorie und Experiment.
Geboren am 10. März 1943 in Homberg (Ohm), begann sein beruflicher Weg mit einer Ausbildung zum Werkstoffprüfer. Nach einem Studium der Physikalischen Technik und einer mehrjährigen Tätigkeit als Ingenieur in der Industrie entschloss er sich, sein Wissen weiter zu vertiefen, und nahm 1974 das Studium der Physik an der Justus-Liebig-Universität Gießen auf, das er 1979 mit dem Diplom abschloss. Es folgten wissenschaftliche Stationen am damaligen Institut für Werkstoff-Forschung des DLR in Köln-Porz sowie am Kernforschungszentrum Karlsruhe. 1983 promovierte Theo Fett bei Prof. Dietrich Munz an der Universität Karlsruhe (TH) zum Dr.-Ing. mit einer Arbeit zur bruchmechanischen Lebensdauervorhersage keramischer Werkstoffe.
Auch nach seiner Pensionierung im Jahr 2005 blieb Theo Fett wissenschaftlich außerordentlich aktiv. Als hoch geschätzter Berater am Institut für Angewandte Materialien – Keramische Werkstoffe und Technologien entwickelte und perfektionierte er experimentelle Methoden zur Bestimmung der Lebensdauer spröder Materialien und leistete grundlegende Beiträge zur Bestimmung von Risswiderstandskurven, insbesondere im Bereich sehr kleiner Risslängen. Eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit verband ihn mit Dr. Sheldon Wiederhorn vom National Institute of Standards and Technology (NIST), mit dem er zahlreiche Publikationen zu den mechanischen Eigenschaften von Glas veröffentlichte.
Die Breite und Tiefe seines wissenschaftlichen Werks spiegeln sich in den gemeinsam mit Prof. Munz verfassten Lehrbüchern „Mechanisches Verhalten keramischer Werkstoffe“ (1989) und „Ceramics: Mechanical Properties, Failure Behaviour, Materials Selection“ (1999) wider. Bedeutende Impulse gingen zudem von seinen Arbeiten zur Mechanik ferroelektrischer Piezokeramiken aus, die wesentlich zur Etablierung keramischer Werkstoffe als zuverlässige Konstruktions- und Funktionsmaterialien beitrugen.
Neben seiner wissenschaftlichen Exzellenz wurde Theo Fett wegen seiner Bescheidenheit, Integrität und großen Hilfsbereitschaft hoch geschätzt. Trotz internationaler Anerkennung stellte er seine eigene Person stets in den Hintergrund. Wir trauern um einen außergewöhnlichen Wissenschaftler und Menschen, dessen Wirken der keramischen Fachgemeinschaft in ehrender Erinnerung bleiben wird.
Kolleginnen und Kollegen von Theo Fett
Text written by former KWT head Prof. M.J. Hoffmann